Kaiserwetter für Wühlmäuse



(Westdeutsche Zeitung, Lokales Kempen, 04.11.2004)

 

Kühl, wolkenfrei, sonnig das lieben die Besucher des Hubertusmarktes. Und so strömten gestern mal wieder die Massen in die Altstadt.

 

Von Cornelia Driesen

Kempen. "Ihr seid doch alles Wiederholungstäter", witzelt Willi Bender mit seinen Kunden, während er schon den nächsten Meter per Hand abmisst. Gardinen Bender ist seit 44 Jahren beim traditionellen Hubertusmarkt dabei. Auch gestern bildete sich schon in aller Frühe vor seinem großen Wagen am Buttermarkt eine Menschenschlange.

 

Von der Ellenstraße bis zur Engerstraße boten beim Hubertusmarkt rund 180 Händler ihre Waren feil. Allein bei Gardinen Bender gingen mehr als 5000 Meter Stoff über die Auslage. Und bei Gewürze Berndt Hunderte Gramm über die Ladentheke. "Ich freue mich immer auf den 3. November", sagt Elisabeth Krause. In diesem Jahr hat die Kerkenerin auf dem Hubertusmarkt schon ihre ersten Schnäppchen gemacht.

 

"Ich habe extra bis gewartet, denn hier ist der Stoff immer günstiger, und das Muskat riecht ganz frisch. " Neben Hosenträgern und Tontöpfen stieß man auf der Judenstraße auf Exotisches: Zahnarztbesteck! Zangen, Pinzetten und gebogene Spiegel gehörten in das Repertoire von Ines Höfeler. "Es muss ja auch mal was Besonderes geben", ist die Niederkasselerin überzeugt. Allerdings sehe das Angebot skurriler aus, als es tatsächlich ist. "Viele nutzen beispielsweise die Pinzetten für den Modellbau und zum Basteln."

 

Die passenden Bastel-Accessoires fanden die Marktbesucher am Viehmarkt. Sterne, Pilze und Plastikchriststerne landeten reihenweise in den roten Körbchen. Am Stand von Walter Hackstein hatten vor allem Weihnachtsartikel Hochkonjunktur. "Kleinigkeiten für die Kranz-Deko wird viel gekauft, vor allem Baststerne", so Hackstein. Als gebürtiger Wachtendonker kennt er den Hubertusmarkt seit über 30 Jahren. "In diesem Jahr haben wir mehr Platz zwischen den Ständen gelassen", informierte Marktmeister Herbert Mohn. Und zwar aus Sicherheitsgründen.

 

Rettungsfahrzeuge hätten so ausreichend Platz im Notfall. "Passiert ist aber auch in diesem Jahr nichts", beruhigte Mohn. Lediglich ein paar Parksünder habe man aus dem Halteverbot abschleppen müssen. Ab mittags ging es dann aber trotzdem nur noch im Schneckentempo durch die Altstadt. Das sonnige Wetter hatte Hunderte in Stöberlaune versetzt. "Gucken muss man ja mal", ist Heinrich Thiesmeyer gut gelaunt an den Ständen entlanggeschlendert. Der Lobbericher ist extra mit dem Bus angereist und hat auch eine Kleinigkeit erstanden. "Ein paar Weihnachtskarten mit Musik, die kriegt man sonst nicht so leicht."

 

Püfferkes, Apfelringe und Mohnstollen auf der Hand lockten zwischen Mikrofasertüchern und Socken zu einer kleinen Pause. Frisch gestärkt konnten sich die Besucher des Hubertusmarktes dann wieder ins Gewühl stürzen und noch bis 19 Uhr nach Schnäppchen Ausschau halten.