Rückkehrer nach Mecklenburg-Vorpommern
(Norddeutscher Rundfunk, NDR 1 - Radio MV, 24.03.2004)
Anmoderation:
NDR 1 - Radio MV, Sie hören das Forum, heute zum Thema Abwanderung. Martin Neumann ist ein junger Mann, dem es ganz ähnlich ergangen ist wie mir. Aufgewachsen im Norden, in seinem Fall in Mecklenburg - Vorpommern, nach dem Studium in die nette kleine Uni-Stadt Tübingen bei Stuttgart, aber nach ein paar Jahren nix wie zurück ans Meer. Nach einer Umfrage im Auftrag der Rückholagentur MV4You hat jeder zweite Abwanderer Heimweh und würde auf jeden Fall zurückkehren, wenn er oder sie denn einen Job fände. Martin Neumann hat es geschafft. MV4You hatte schon einen Job für ihn in Rostock gefunden, da hat er sich dann aber doch lieber bei Bad Doberan selbstständig gemacht. Cornelia Driesen hat ihn in seinem Haus nahe der Ostsee besucht.
Eine enge holprige Straße führt direkt zu dem verschlafenen Ort Rütschow, in der Nähe von Bad Doberan. Hinter den dichten Bäumen markieren dunkelrote Doppelhaushälften den Orteingang. In einer Hälfte eines Neubaus leben Martin Neumann und seine Freundin Uta Bräunig. Seine Frühstückspausen kann der 29 - Jährige immer mit seiner Freundin und der vier Monate alten Tochter Clara verbringen, denn das Büro befindet sich direkt im Haus. „Es ist schön arbeiten zu können, wann immer man möchte“, sagt der Familienvater zufrieden. Der gebürtige Rostocker hat sich als Programmierer für Internetseiten selbstständig gemacht. Noch vor fünf Jahren sah die berufliche Perspektive für ihn hier in Mecklenburg - Vorpommern nicht so gut aus:
O - Ton: Ich hatte hier damals schon als selbstständiger neben dem Studium gejobbt und es war damals schon einfacher im Westen, wie es so schön hieß, da was zu finden als hier. Da es einfach mehr Unternehmen gibt, die dann auch Aufträge geben und demzufolge auch mehr Dienstleister, gerade in meinem Bereich so Internet. Da bot es sich damals, so in der Internetboomzeit, einfach an, dann gleich in der Firma einzusteigen. Es war damals sehr einfach und ich hab mir einen Job in Tübingen gesucht.
Neumanns Freundin startete gleich in der Studentenstadt ein Jura-Studium. Den gleichen Weg wie Martin Neumann und Uta Bräunig treten jedes Jahr mehr als 5 tausend junge Menschen aus Mecklenburg - Vorpommern an. Die Gründe, warum so viele junge Menschen unser Land verlassen, bekommt Volker Jennerjahn als Projektleiter der Rückholagentur MV4You oft zu hören:
O - Ton: Es hat sie genervt, dass sie hier zu wenig Angebote hatten, also dass sie den größten Teil ihrer Bewerbungen tatsächlich in den Westen schicken mussten und hier hatten sie gar keine Adressen, wo sie sie hätten hinschicken können. Bei Hochschul- und Fachhochschulabsolventen ist auch noch zu beobachten, dass sie direkt von der Studienbank aus weg geworben werden – von unseren Universitäten und das ist ja eigentlich die ganze Tragik. Und dass Unternehmer aus Süddeutschland hier auf unseren Universitäten wildern und zu wenig Unternehmen aus Mecklenburg - Vorpommern selber in der Lage sind, dieses auch zu tun.
Mit einem Vertrag in der Tasche würden viele somit das Land erst gar nicht verlassen oder gar zurückkommen. Auch wenn das Gehalt nicht so hoch ist wie im Westen:
O - Ton: Also dieses in Kauf nehmen von Gehaltseinbußen, dass ist ihnen schon sehr bewusst und sie kalkulieren auch sehr rationell und sagen: „Es gibt eine Schmerzgrenze. Wir kommen nicht als Sklaven nach Mecklenburg - Vorpommern oder für Dumping-Löhne hierher. Aber sie sagen ja im Schnitt 1500 Euro muss drin sein netto. Das ist nun mal nicht unbedingt sehr viel.
Weniger Geld als im Westen hätte auch Martin Neumann akzeptiert, denn Mecklenburg - Vorpommern hat eben vieles, was andere Länder nicht bieten können. Nach drei Jahren in Süddeutschland hatte sich der Heimatverbundene immer noch nicht in Tübingen eingelebt. Daher ist die Entscheidung zurück zu ziehen, Martin Neumann und seiner Freundin auch nicht schwer gefallen.
O - Ton: Der Hauptgrund war natürlich, dass wir hier einfach mit den Leuten besser klar kommen. Der Empfang im Süden war nicht so herzlich, muss man sagen, oder irgendwie sind wir mit den Leuten im Süden halt nicht so richtig warm geworden. Hier ist das doch ein bisschen anders, die Leute, natürlich auch die Nähe zur Ostsee ganz klar. Wir haben jetzt den ersten Sommer zwei drei Wochen wie die Touris nur am Strand gelegen. Also das war schon ein wichtiger Grund auch wieder herzukommen.
Tatkräftig guckt das Paar in die Zukunft. Die Auftragslage der Internetfirma ist gut und die Ich - AG des Rostockers ein voller Erfolg. Seine Freundin wartet zurzeit auf die Prüfungsergebnisse und hofft auf ein Referendariat im Landkreis Bad Doberan. Als frisch gebackene Eltern haben es Martin Neumann und seine Freundin nie bereut nach Rütschow, nahe der Ostsee, zurückzuziehen.